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„Globians“ sind Menschen, die in ihrem Wirken ihre eigene Kultur überschreiten und gleich in mehreren Kulturen zu Hause sind. 1909 wurde der Begriff von dem Künstler Kurt Delbanco geprägt. „Globians“ eignet sich also hervorragend als Namensgeber für das unabhängige Dokumentarfilmfestival, das vom 11. bis 19. August 2007 im Alten Rathaus in Potsdam stattfand und Filme sowie Themen aus aller Welt vereinte. 
„In 9 Tagen für 30 Euro um die Welt“ hieß das Motto. Mit dem Festivalpass konnten 72 Filme non-stop angeschaut werden, zumeist in Englisch oder mit Untertiteln. Neben amüsanten Reiseberichten, gab es kritische Berichterstattungen zu Natur- und Umweltzerstörung, Filme über Jugendkultur und HipHop im Nahen Osten, Fotografie und Emigration, Auswirkungen der Globalisierung in den Entwicklungsländern, wobei auf Lateinamerika und Afrika ein Schwerpunkt lag, Schulprojekte in Tibet, die ihre Existenz nur dem Umstand zu verdanken haben, dass die chinesischen Behörden ihnen (noch) wohl gesonnen sind, China im Turbokapitalismus, oder ein Kurzfilm über einen Mann der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat auf der Nanjing-Brücke in China die Menschen davon abzuhalten in den Tod zu springen. In 300 Tagen hat er es geschafft 91 Menschen zu retten. Daniel Kunle und Holger Lauinger hielt es hingegen in deutschen Landen, genauer gesagt in Ostdeutschland. In ihrem Film „Neuland“ zeichnen sie ein dichtes und erschreckendes Bild über die Zustände in Ostdeutschland, die Arbeitslosigkeit, die Industriebrachen und das Vakuum, das entsteht wenn sich der Staat zurück zieht, keine Gelder für Kulturprojekte vorhanden sind und Rechtsradikale diese Zustände für sich nutzen. Sie haben jedoch ein Motto, das heiß „Neuland-denken“. Es soll das Scheitern als Chance begreifen die Räume, die sich bieten experimentierfreudig zu nutzen und tatsächlich etwas neu zu denken. Sie besuchen auf ihrer Reise unter anderem zwei ostdeutsche Mittzwanziger, die mit einer Schneckenzucht experimentieren und in der Lokalpresse mit Schlagzeilen wie „Schnecken bringen den Schrecken“ belegt wurden, oder Biodörfer in denen Familien sich ihre Lebensträume zu erfüllen suchen. Der Film „Neuland“ schafft etwas Neues, indem er sich aus der Tristesse hebt und aufzeigt wie es auch gehen kann: anders! Es gab Dokumentarfilme zu vielen interessanten Themen. Die Atmosphäre war sehr familiär und entspannt. In etwaiger „Anonymität“ ging niemand unter, man kannte sich spätestens nach dem zweiten Film und fühlte sich auch nicht unwohl wie es oftmals der Fall ist bei FilmFestivals mit öffentlichkeitsgeilen Alphatierchen vom Film, die sich und ihr Werk für den Nabel der Welt halten. Angenehm überraschend und interessant waren daher die fast nach jedem Film stattfindenden Gespräche mit den äußerst sympathischen Regisseuren. „Zeitpfeil“, ein Netzwerk für politische Bildung, bereicherte das Festival in diesem Jahr durch Vorträge. Selbst für Verpflegung hatten die engagierten Veranstalter gesorgt. Es gab Knabberzeug, Kaffee und diverse Teesorten. Das „Globians“ Filmfestival wurde von Joachim Polzer und dem Förderkreis „Globians Medienprojekt Potsdam“ ins Leben gerufen und ging dieses Jahr in die dritte Runde. Die Filmeinsendungen haben sich mittlerweile auf 200 verdoppelt und „Globians“ erfreut sich immer größerer Beliebtheit und Aufmerksamkeit. Es war ein rundum gelungenes Festival und man darf aufs nächste Jahr gespannt sein! Text+Foto: MF, 2007 |