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Blubbern für die Hölle
Bei Zugfahrten sind ja besonders die kleinen Dinge, die passieren aufregend, oder abstoßend, je nachdem. Ich sitze in Fahrtrichtung - gottseidank, so umgehe ich das Kotzen – in einem Vierer-Abteil. Alle Plätze sind besetzt und die Klimaanlage müht sich ab, die Düfte zu verteilen. Mir gegenüber sitzt beziehungsweise schläft ein Mann. Gut, das ist weder aufregend, noch sonderlich abstoßend...WENN nicht aus seinem Mund kleine Blubberblasen herausblubbern würden.
Das Blubbern hörte irgendwann auf und der Unterkiefer senkte sich. Leute, die mit offenem Mund schlafen, ekelhaft. Nicht mal in der Bahn können sie sich zusammen reißen. Der Mund, ein schwarzes Loch – hat der Mann überhaupt Zähne? Er wird Anfang Vierzig sein und erinnert mich irgendwie an eine zahnlose Oma in Totenstarre. Fehlt nur noch, dass ihm jemand die Augen herausreißt und damit gleich DREI Höhlen sein Gesicht zieren. So würde er ohne Probleme die Hölle passieren können und das Etikett „Du bist jetzt einer von uns“ auf die Stirn tätowiert bekommen. Mir ist es recht, sollen die sich mit ihm rumschlagen. So muss ich mich nicht mehr mit diesem blubbernden und mit offenem Mund schlafenden Menschen abmühen. Es gibt wahrlich göttlichere Anblicke. *** Ich dachte, schon der Mann mit den Blubberbläschen am Mund wäre an Abartigkeit kaum zu übertreffen, bis ich heute Szenario Nummer Zwei ertragen musste. Neben mir ein Typ, der die ganze Zeit schnaufte, als hätte er die Last der Welt auf seinen Schultern, dabei lümmelte er sich, die Beine auf dem Sitz gegenüber ausgestreckt, auf seinem Platz und löste Kreuzworträtsel – in der BILD. An der nächsten Station stiegen Mann, Frau und Kind dazu. Für das Kind machte er Platz, nahm seine Füße und die Tasche runter. Kaum saß das blonde Mädchen, starrte er sie ununterbrochen an. Sie muss circa 8 Jahre alt gewesen sein. Ging ihm dabei einer ab?! Aber das war noch nicht das Schlimmste. Die Frau neben dem Kind und mir gegenüber, weil: Vierer-Abteil und wieder mal keine Chance zu entkommen, es sei denn ich wollte fortan stehen, war scheinbar der Meinung das Mädchen die ganze Zeit anfassen zu müssen. Ich weiß nicht ob sie Mutter, Oma oder gestörte Tante war, eventuell die zweite Frau des Mannes, also von dem Vater des Kindes, und auf jeden Fall älter als 45. Sie nahm ständig die Hand des Mädchens und knetete sie. Das blonde Geschöpf höflich, ließ es über sich ergehen. Auch als die Alte sich die ganze Zeit zu ihr hinunter beugte, höflich. Ich hoffe für sie, dass die Alte keinen Mundgeruch hatte, armes Ding. Das Mädchen schien schlauer zu sein als die Alte, oder die Alte vergaß einfach, dass das Mädchen keine drei mehr war, als sie ihr erklärte warum der See zugefroren war. Innerlich gähnte das Kind, ich auch. Aber das war noch nicht das Schlimmste. Der Vater, ihn trennte der Gang, aber mir schräg gegenüber sitzend war ekelhaft. Ja, ich weiß, das kann ich doch nicht einfach so oberflächlich behaupten! Unverschämt von mir! Und nur weil er scheinbar nie gelernt hatte sich ordentlich und geschmackvoll einzukleiden, heißt das noch lange nicht, dass er ekelhaft ist, gar ein unausstehlicher Mensch. So ist es wohl. Dicke Bäuche hinter bunt karierten Baumwollhemden, mausgraue Winterjacke, zu fette Schenkel in zu unpassenden schwarzen Lederhosen und ein Cowboy Hut sind noch lange kein Indiz für meine ungeheuerliche Unterstellung! Ein Vollbart, Männer mit Vollbart, die zählen zugegeben zu meinen ganz persönlichen Minus-Kandidaten und Männer die ihren Mund nicht aufkriegen und der Gesprächskiller jedes Kaffeekränzchens sind kann ich auch nicht leiden. Doch nun mal ganz und gar abgesehen von meinen persönlichen Abneigungen, möchte doch niemand einen Mann in seinem Sichtfeld haben, der im tiefsten und kältesten Winter unter seinem Cowboy Hut Schweißausbrüche bekommt, die die übrig gebliebenen Haare verkleben lassen und dann sehen müssen, wie der Typ mit seiner Hand immer und immer wieder über seine Haare fährt, um den Schweiß zu fühlen und anschließend an seinen Klamotten abzuwischen. Oder? Und ganz toll die Vorstellung, das dieser Herr um die 50 euch dann die Hand zur Begrüßung reicht! Das war das Schlimmste. Ich zog doch den Stehplatz vor, ganz nah an der Tür, wartend auf den rettenden Bahnhof.
Text: MF Foto: S. Kim |