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Besser blöd als blöd! PDF
Geschrieben von MF   

Früh aufstehen ist blöd, früh mit der Bahn fahren ist blöd und Montage sind sowieso gänzlich blöd. Wenigstens ist das Wetter sonnig. Ein schwacher Versuch sich diesen Montag schön zu reden und aus der schlechten Laune retten zu wollen. Vor dem S.- Saal der H.- Universität in B. zu stehen und auf den Techniker mit den Mikrofonen zu warten während eine Delegation aus J. mir viel zu früh die Türen einrennt ist absolut total blöd. Und die studentische Hilfskraft aus G. in D. wiederzusehen ist noch blöder als blöd, es ist nah dran an einem Amoklauf.


Dieser saudumme, kleinbürgerliche Schleimbeutel, läuft auch in diesem Jahr mit einem Anzug durch die Gegend und fühlt sich ganz groß, während sein Herz beständig weint und ihm sagt: "Aber du bist doch eigentlich ein LINKER, was machst du hier zwischen den Militärs aus J. und den Professoren, die sich alle gegenseitig in die Tasche schleimen? Warum verkaufst du deinen Körper an die Falschen?" Darauf sein kleinbürgerliches Hirn: "Halt die Klappe Herz! Du hast hier nichts zu melden, ich will Karriere machen um jeden Preis, auch wenn ich mir dafür im Hotel R. in B. von den Militärs aus J. in den Ar*** f***en lassen muss! Nebenbei bemerkt: Das macht sogar Spaß!"

Während die studentische Hilfskraft aus G. in D. den Konflikt zwischen Herz und Hirn austrägt, kommt der Techniker mit den Mikrofonen und zaubert Strom in den Saal. Meine organisatorische Aufgabe ist hiermit erledigt. Ich schließe ab und drehe den Gashahn auf. Ach nein, so ging die Geschichte nicht weiter, Moment mal... Genau, so wars: Während sich alle in diesem Saal einen runter holten und danach gemütlich zum reichhaltigen Mittagessen gingen, machte ich mich auf den Weg zum nächsten Ort des Geschehens, um dort weitere Vorbereitungen zu treffen. Ein kleiner Hund, der vor einem Lebensmittelgeschäft angeleint war, fand diesen Montag scheinbar genauso zum kotzen wie ich, nur verlieh er seinem Gefühl Ausdruck indem er sein Innerstes auf den Bürgersteig warf. Ich glaube er hatte Reis zum Frühstück.

Die studentische Hilfskraft aus G. in D. wird in unseren Kreisen nur "Es" genannt, weil "Es" sich schon im letzten Jahr mit "kleinen Anmerkungen" beliebt gemacht hat. Das "Es" unverändert viel Höhenluft schnuppert dürfte deutlich geworden sein, daher versuchte "Es" es in diesem Jahr zusätzlich mit einem Bonus, nämlich "witzig" zu sein. Diesen Dummbeutel und seinen "Witz" konnte ich nicht mal 1 Minute ertragen und verließ die elustere Runde, nachdem jeder Gast mit einem Gläschen stillen Mineralwassers ausgestattet war und das Palaver, Entschuldigung, die hochgradig qualifizierten Vorträge, von neuem begannen. Ein internationaler Austausch ohne echten Austausch, weil die Delegation aus J. doch eigentlich mehr an einem bezahlten Urlaub in D. interessiert ist, als sich in ihre politischen Geschäfte drein reden zu lassen, oder hervorgebrachte Alternativen ernsthaft in Betracht ziehen würde. Viel heiße Luft, die wohl besser in einem Ballon aufgehoben wäre, der fliegt wenigstens und bereitet Freude beim zuschauen. Ein Professor war sogar so wichtig, dass er die Vorträge durch sein Handyklingeln zwei Mal unterbrach und immer polternd den Raum verließ, um ebenso polternd wieder reinzukommen, die letzten Gesprächsfetzen noch an den Mundwinkeln klebend. Als es ein drittes Mal klingelte stand ich auf und sagte zu ihm, er solle doch gleich draußen bleiben, um seinen Beliebtheitsbonus hier unter uns nicht allzu sehr auszureizen.

Nach mehreren Stunden erholender Abstinenz ging ich erneut an den Ort des Geschehens, um die Lage auszuloten, als plötzlich die Sekretärin der Verwaltung aus ihrer Tür geschossen kam und mich am Arm packte. Mit hysterisch schnell wackelnden Augen und hoher Stimme fistelte sie: ES will kopieren! Kümmere dich darum, ja?!!!?!!! Ich starrte sie an, starrte ES an und wollte ihm gerade sagen, dass er doch den läppischen Kilometer zum nächsten Copy-Shop zurücklegen soll, weil bei uns kein Material verschwendet wird, als meine bezaubernd nette Kollegin mir zuvor kam und ihn zum hauseigenen Kopierer mitnahm. Glück gehabt ES!

Zurück blieb an diesem Montagabend nur der fahle Nachgeschmack dieses Tages, ein Haufen dreckiger Gläser, die schon Ekelgrieben beim bloßen anschauen versprachen, der muffige Geruch von zu viel Männerparfum...und ein halsbrecherischer Pessimismus, dass Arschkriecher und Speichellecker wohl nie aussterben werden.

 

Mandy Fox, 20. April 2009  

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