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ANATHALLO, eine 7köpfige Band aus Mt. Pleasant/Michigan, hat mit Canopy Glow ihr zweites Album rausgebracht. Sie sind zum ersten Mal auf Europatour, doch davon scheint niemand Notiz zu nehmen. Ein großer Fehler, wie sich am 12.11.08 im Admiralspalast in Berlin herausstellte. ANATHALLO bescherten dem Publikum, das aus 20 Leuten bestand, einen unvergesslichen Abend!
Canopy Glow ist eine sehr ruhige Platte mit Melodien, die zu zerbrechen drohen, wenn man dem Album nicht die Aufmerksamkeit zukommen lässt, die es verdient hat. Die vielen versteckten Geräusche und kleinen Töne im Hintergrund lassen sich nur vollkommen erfassen, wenn man Kopfhörer aufsetzt und die Musik ganz nah bei sich trägt. Live ist die Musik von ANATHALLO jedoch Raumfüllend und schafft eine Atmosphäre, die mitreißt und mitfühlen lässt. Sie beherrschen das Spiel perfekt, Spannung zu erzeugen, in die Höhe zu treiben, explosionsartige Überfälle zu inszenieren, um dann auf leisen Sohlen zu verschwinden. Bezeichnend dafür sind ihr mehrstimmiger Gesang und ihr perfektes Zusammenspiel an den Instrumenten. Es herrscht ein unaufgeregtes Treiben auf der Bühne, weil jeder der 7 Bandmitglieder jedes Instrument spielt und es keine angestammten Plätze gibt, die eingehalten werden. Neben den üblichen Instrumenten wie Gitarre, Schlagzeug und Keyboard, schlagen sie Trommeln an, spielen Trompete, klimpern auf Xylophonen, oder bedienen sich ungewöhnlicherer Techniken, um ihre Musik facettenreich zu gestalten. Da werden schon mal Holzklötzer aneinander geschlagen, Fahrradersatzteile zu kleinen Soundmaschinen umfunktioniert, oder Ballons zerknallt. Dieser kindliche Drang mit Gegenständen zu experimentieren ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Musik und entspricht ihrer Vorstellung als Künstler immer offen zu sein für Neues und sich die Fähigkeit für Veränderungen zu erhalten. Gefragt nach einer Selbstdefinition ihrer Musik geraten sie ins Grübeln und es fallen Worte wie: „Rock Elemente, chorale und vocale Elemente…“, die nur ansatzweise ihre Musik beschreiben können. Oft fällt im Zusammenhang mit ANATHALLO der Name SUFJAN STEVENS, um zumindest die Richtung ihrer Musik klar zu machen, doch eine Schublade müsste für ANATHALLO erst erfunden werden. Verantwortlich für den ungewöhnlichen Albumnamen Canopy Glow ist der Song „The River“. In dem Song läuft jemand einen Fluss entlang, der durch ein Waldstück führt. Darüber befindet sich ein Blätterdach durch das sich die Sonne ihren Weg bahnt und ihre gebrochenen Strahlen auf den Waldboden und den Fluss wirft. Ein friedvolles Bild, eine schöne Momentaufnahme der Natur. Naturbeschreibungen finden sich viele in ihren Songs und die Einflüsse ihrer ländlichen Gegend, in der sie aufwuchsen, lassen sich nicht leugnen. Hervorstechend sind in den Texten vor allem die Auseinandersetzung mit dem Tod und die religiösen Bilder, die sie als Folie benutzen, um sich auszudrücken. Der Song „Tower of Babel“ greift die Bibelgeschichte auf und bildet eine Parallele zum Leben des Sängers Matt, der sich in einer Beziehungskrise befand und sich mit seiner Freundin im Turm zu Babel stehen sah, unfähig eine gemeinsame Sprache miteinander zu finden. Wobei er den Turmbau zu Babel als Neuanfang begreifen möchte und nicht als Zerstörung. Alles hat eine Bedeutung bei ANATHALLO und so wundert es auch nicht, dass ihr Bandname und dessen Bedeutung bewusst ausgewählt wurde; es ist ein griechisches Wort und heißt soviel wie „erneuern“ und „erblühen“. Das beinhaltet sowohl die Naturvorstellung eines Frühlings, wo die Welt nach einem langen Winter zu neuem Leben erwacht, als auch den Anspruch der Band an neuen Herausforderungen zu wachsen. Das ANATHALLO Konzert im Admiralspalast verging viel zu schnell. Nachdem sich das Publikum aus 20 Leuten bemühte mit seinen Rufen nach einer Zugabe so zu klingen wie 200 Fans, kamen ANATHALLO erneut auf die Bühne und spielten weiter. Doch auch das war dem Publikum nicht genug und es rief und rief in seiner Begeisterung nach weiteren Zugaben. Doch irgendwann hat alles Schöne einmal ein Ende. Trösten kann man sich mit ANATHALLO´s aktuellem Album Canopy Glow! Text+Foto: Mandy Fox (November 2008) siehe auch: ANATHALLO-PODCAST (TEIL 1)
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